Quelle: www.chelifer.de/buecherskorpione/

 

 

 Umgangssprachlich wird der Begriff BIENE meist auf eine einzelne Art, die Westliche Honigbiene (Apis mellifera), reduziert, die wegen ihrer Bedeutung als staatenbildender Honigproduzent. Dabei handelt es sich bei den Bienen um eine recht große Gruppe mit sehr unterschiedlichen Arten. Viele davon, vor allem die solitär lebenden, werden unter dem Begriff Wildbienen zusammengefasst.

Da Bienen in erheblichem Maße zur Erhaltung von Wild- und Kulturpflanzen und deren Erträgen beitragen, ist ihre ökologische Bedeutung beträchtlich; Bienen zählen weltweit zu den wichtigsten Bestäubern. Nach der Umweltschutzorganisation Greenpeace liegt der Gegenwert ihrer jährlichen Bestäubungsleistung weltweit bei rund 265 Milliarden Dollar.[7] Ihre damit zusammenhängende ökonomische Bedeutung wird auch dadurch deutlich, dass zum Beispiel in Deutschland derzeit von über 80.000 Imkern zirka eine Million Bienenvölker gehalten werden. Diese decken mit etwa 25.000 Tonnen Honig pro Jahr etwa 20 % des heimischen Bedarfs.

Seit einigen Jahren wird ein zunehmendes sogenanntes „Bienensterben“ beobachtet. Als Messgröße der Imkerei bezieht sich der Ausdruck nicht auf den Tod einzelner Bienen, sondern auf die Völkerverluste der Honigbiene.[8] Dabei verbergen sich hinter dem Schlagwort ganz unterschiedliche Phänomene: etwa das Verschwinden ganzer Bienenvölker mitten in der Saison, insbesondere in den USA („Colony Collapse Disorder“), oder aber ungewöhnlich hohe Winterverluste (so zum Beispiel in Deutschland im Winter 2002/2003).[9]

Grundsätzlich können die von Imkern beobachteten Symptome wie Orientierungslosigkeit und unerklärliche Verhaltensänderungen durchaus für Pflanzenschutzmittel als Verursacher der CCD sprechen, da Pestizide, insbesondere Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide, als Nervengifte wirken. Dazu.zählen AcetamipridClothianidinNitenpyramThiaclopridThiamethoxam und Imidacloprid. Letzteres wird als „Gaucho“ weltweit in rund 120 Ländern mit einem Jahresumsatz von über 500 Millionen Euro eingesetzt.

Ein Review aus dem Jahr 2010 kam für die USA zu dem Ergebnis, dass Honigbienen in hohem Maße im Bienenstock eingesetzten Varroaziden und in der Agrarwirtschaft verwendeten Pestiziden ausgesetzt sind. Es ist bekannt, dass chronische Expositionen mit neurotoxischen Insektiziden und diese in Kombination mit anderen Pestiziden, insbesondere Fungiziden, für Bienen schädigend sind. Eine direkter Zusammenhang mit CCD und vermindertem Gesundheitszustand der Bienen bedarf weiterer Erforschung. Gleiches gilt für die Gefahren von Neonicotinoiden, wenn Bienen ihnen in niedriger Dosierung ausgesetzt sind. Obgleich keinem einzelnen Pestizid an sich zugeschrieben werden kann, CCD zu verursachen, können gegebenenfalls synergistische Effekte mehrerer Pestizide zu einer Schädigung der Bienengesundheit beitragen. Auch hier konstatieren die Autoren weiteren Forschungsbedarf.[50] In der Studie selbst steht, dass der Untergang unmittelbar nach der Einführung von Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) in der Landwirtschaft begann und seitdem unvermindert andaure.[51]

Bei einem im April/Mai 2008 im Rheintal auftretenden Sterben tausender Bienenvölker konnte als Ursache eindeutig das als Saatgutbeizmittel verwendete Neonicotinoid Clothianidin nachgewiesen werden.[52] Daraufhin stoppte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit am 15. Mai 2008[53] den Verkauf und die Anwendung von zunächst acht Saatgutbehandlungsmitteln, die gesamte Gruppe der Neonicotinoide – unter anderem ein Produkt von Bayer CropScience mit dem Namen „Poncho“ – die diesen Wirkstoff enthalten, hob aber das Ruhen der Zulassung von vier Beizmitteln am 25. Juni 2008 wieder auf, nachdem die Mittel modifiziert worden waren.[54]

Nach einer im März 2012 veröffentlichten Studie führen diese Pestizide in geringsten, nicht letalen Dosen in signifikanter Weise zu einer Fehlorientierung und Arbeiterinnen finden den Weg in den heimatlichen Bienenstock nicht mehr.[55]

Besonders im Verdacht steht seit Jahren das von Bayer hergestellte Produkt „Gaucho“, das auf dem Neonicotinoid Imidacloprid basiert, nachdem eine Untersuchung der französischen Regierung aus dem Jahr 2003 gezeigt hatte, dass Imidacloprid unter bestimmten Bedingungen zum Tod von Bienen führen kann.[56][57][58] 2012 veröffentlichten Biologen der Harvard-Universität eine Studie, die einen direkten Zusammenhang zwischen Imidacloprid und CCD feststellt. Dabei starben 15 von 16 (94 %) der beobachteten Bienenvölker innerhalb von 23 Wochen, obwohl sie teilweise sehr geringen Dosen ausgesetzt waren.[59]

Ende April 2013 entschieden sich 15 von 27 EU-Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, für ein Teilverbot von drei umstrittenen Pflanzenschutzmitteln aus der Gruppe der Neonicotinoide (ClothianidinImidacloprid und Thiamethoxam) im Bereich des Anbaus von Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle für vorerst zwei Jahre. Gegen das Verbot stimmte unter anderem Österreichs Landwirtschafts- und Umweltminister Nikolaus Berlakovich.[60] Die letztendliche Entscheidung liegt bei der EU-Kommission, die ein Verbot befürwortet.[61] Laut einem im April 2015 veröffentlichten Gutachten der EASAC gibt es eine Debatte, ob Honigbienenkolonien von Neonicotinoiden betroffen sind. Dabei werde jedoch übersehen, dass die Kolonien oft sehr widerstandsfähig gegen Verluste sind.[62][63]

Ein am 28. Februar 2018 veröffentlichtes Gutachten der EFSA zu ClothianidinImidacloprid und Thiamethoxam bestätigte abschließend die Risiken für Wild- und Honigbienen bei Freilandanwendungen.[64] Dieses Gutachten ist die Grundlage für weitere Zulassungsentscheidungen bzw. -einschränkungen. Am 27. April 2018 hat die EU-Kommission in einer Abstimmung ein Verbot des Einsatzes dieser drei Wirkstoffe in Freilandkulturen beschlossen.[65] Bereits am 5. Mai 2018 wurden in der Nähe von Udine 20 Felder wegen eines durch Pestizide verursachten Bienensterbens beschlagnahmt. Auch deren Ernte wird vernichtet.[66]

Einer im September 2018 veröffentlichten Studie aus der Arbeitsgruppe von Nancy Moran zufolge beeinträchtigt Glyphosat die Darmmikrobiota von jungen Honigbienen, indem der Shikimisäureweg bei Bakterien der Art Snodgrassella alvi gehemmt wird und diese dadurch absterben. Als Folge wurde eine Schwächung der Widerstandsfähigkeit gegen schädliche Bakterien beobachtet.[67]

In der Schweiz kam es 2019 zu einem massiven Bienensterben, da Pirimicarb aus der Landi mit Fipronil verunreinigt war.[68]

Die bisherigen ökotoxikologischen Risikoabschätzungen von Pestiziden wurden von Forschern als ungenügend befunden. Um dem sechsten Massenaussterben in der Geschichte entgegenzuwirken, müssten die Risikoabschätzungen für Chemikalien schnellstmöglich reformiert werden.[69][70]

Quelle: Wikipedia

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 Nun zur Flow Hive Beute mit Plastikwaben:

Mit jeder neuen imkerlichen Erfindung hat die Bienengesundheit abgenommen
Waben sind viel mehr als nur eine Tupperdose für ein Mittagessen; sie sind das Skelett und der Rahmen des Bienenvolks und erfüllen dort viele Funktionen. Die Zellenwand ist nur 0,07 mm dick und das Wachs besteht aus über 300 verschiedenen chemischen Verbindungen. Es zieht Gifte aus dem Honig. Die Resonanzfrequenz (230-270 Hz) der Waben entspricht den Schwingungssensoren der Bienen und fungiert deshalb als ein Kommunikationskanal zwischen Bienen, die an unterschiedlichen Enden der Waben sitzen. Die Bienen kontrollieren sogar die Temperatur der Zellränder, damit diese Art der Informationsübermittlung optimal läuft. Das Wachs speichert zudem Informationen über Pheromone, die die Bienen absondern. Geruch und Eigenschaften der Wabe helfen dem Bienenvolk sich zu organisieren. Das Wachs unterstützt den Reifungsprozess des Honigs und bildet den ersten Schutzschirm gegen Pathogene. Honigbienen sind daher aus gutem Grund dazu in der Lage, selbst kleinste Veränderungen in der Zusammensetzung des Wachses wahrzunehmen. Wachs ist kein Polypropylen-Kunststoff. … Im Verlauf der letzten 100 Jahre hat die Bienengesundheit mit jeder neuen imkerlichen Erfindung abgenommen. Das liegt vor allem daran, dass die meisten Erfindungen darauf ausgerichtet sind, den Honigertrag zu optimieren und/oder die natürlichen Verhaltensweisen der Bienen zu unterdrücken. Das Flow Hive macht da keinen Unterschied. Honig ist für die Bienen sowohl Segen als auch Fluch.
Jonathan Powell, England

Es ist das Geburtsrecht der Bienen, Waben selbst bauen zu dürfen
Bienen möchten ihre eigenen Wachswaben bauen. Diese sind Teil des Superorganismus „Bien“. Das Wachs erzeugen sie buchstäblich aus ihren eigenen Körpern heraus. Die Waben sind die Wohnung der Bienen, ihr Kommunikationssystem (das nicht annähernd so gut funktioniert, wenn es aus Plastik statt aus Wachs gemacht ist, wie Studien beweisen), und funktionieren als ein zentrales Organ. Die Waben sind die Gebärmutter der Bienen, sie sind der Ort, wo sie ihren Nachwuchs aufziehen. Und wenn sie eine Wahl hätten, würden die Bienen keine vorgefertigte Plastik-Gebärmutter, kein Plastik-Haus oder Plastik-Speisekammer haben wollen – genauso wenig wie wir. Es ist das Geburtsrecht der Bienen, ihre Waben selbst bauen zu dürfen. Aber das ist noch nicht alles. Das andere Problem, das wir mit dieser neuen Apparatur haben, ist, dass sie zu einer Art der Bienenhaltung führt, die nur auf den Imker ausgerichtet ist und den Eindruck erweckt, dass die Pflege der Bienen ganz einfach sei. Es geht hierbei darum, dass Produktivität über Ethik und die langfristige Bienengesundheit gestellt wird.
Kirsten Bradley, Australien

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DER BÜCHERSKORPION IN BIENENBEUTEN DER WESTLICHEN HONIGBIENE

Der Bücherskorpion (Chelifer Cancroides) – früher auch als Milbenwolf geläufig – gehört zur Klasse der Spinnentiere (Arachnida) und zur Ordnung der Pseudoskorpione. Er ist der am weitesten verbreitete Pseudoskorpion. Aktuell sind weltweit etwa 3000 Arten von Pseudoskorpionen bekannt, etwa 100 aus Mitteleuropa. In verschiedenen Regionen der Welt werden verschiedene Arten von Pseudoskorpionen in Bienenbeuten und Bienenstöcken angetroffen. Einige Ellingsenius Arten auf der Südhalbkugel haben sich regelrecht auf Honigbienen spezialisiert und werden ausschließlich in Bienenvölkern angetroffen.

Der Bücherskorpion ist ein Nützling für Bienen und Imker

Der Bücherskorpion (Chelifer Cancroides) ernährt sich unter anderem von Parasiten der Bienen in Bienenbeuten und erweist sich so als Nützling für Honigbienen und Imker. Die Bienen lassen ihn gewähren. Die dauerhafte Ansiedlung der empfindlichen Tiere in Beuten ist mir bereits gelungen. Auch kann ich mittels IR Aufnahmen nachweisen, dass sich die scheuen Tiere den Bienen nähern und sie abtasten. Der Nachweis des Abpflückens einer Varroa Milbe ist mir leider noch nicht geglückt. Aber auch unabhängig davon sind sie im Bienenstock ein willkommener Gast.

Sind Bücherskorpione im Kampf gegen die Varroa wirksam?

 Es gibt eine Reihe von Indizien, die eine Wirksamkeit vermuten lassen. Es gibt auch Hinweise in alter Literatur, die ein gezieltes Abnehmen der Varroen von den Honigbienen durch den Bücherskorpion vermuten lassen. Die alten und neuen Hinweise über das Vertilgen von Parasiten im Bienenstock der westlichen Honigbiene durch den Bücherskorpion führe ich folgend auf:

Ludwig Koch: „Übersichtliche Darstellung der europäischen Chernetiden (Pseudoscorpione)“, Nürnberg, 1873

Die erste Erwähnung des Bücherskorpions als Mitbewohner von Honigbienen findet sich in der Literatur 1873 in „Übersichtliche Darstellung der europäischen Chernetiden (Pseudoscorpione) von Ludwig Koch. Als Fundorte gibt er Häuser, Insektenkästen und hauptsächlich Bienenstöcke an.

Alois Alfonsus: „Der Feind der Bienenlaus“, Deutsche Illustrierte Bienenzeitung, 8. Jahrgang, S. 503-506, 1891

1891 schreibt Alois Alfonsus in einem kurzen Artikel von der Entdeckung dieser Insekten in Bienenbeuten und von ihrer Jagd auf Bienenläuse und andere kleine Insekten wie Milben und Staubläuse.

Dr. Josef Fahringer: „Beobachtungen über einige Bewohner von Bienenstöcken“, Bienenvater 57, Seite 83-84, 1925

Das stärkste Indiz in der damaligen Zeit für das Ablesen von Milben vom Bienenkörper durch Bücherskorpione lieferte Dr. Josef Fahringer durch seinen Versuch 1925. Er besetzte den Körper von Honigbienen mit Milben, die er zuvor vom Körper von Hummeln entnommen hatte. Durch die Gabe einer Futterlösung für die Bienen stellte er diese ruhig. Nun lenkte er Bücherskorpione mit Licht zu den ruhenden Bienen. Bereits nach kurzer Zeit konnte er das Entmilben der Arbeiterinnen durch den Bücherskorpion beobachten.

Ich selbst kann mit meinen Infrarot Videoaufnahmen in Bienenstöcken belegen, dass Bücherskorpione sich auch unter natürlichen Bedingungen den Bienen angstfrei nähern und sie abtasten. Die Bienen lassen sie gewähren. Abb. 1-3 sind Screenshots aus Infrarotaufnahmen in Bienenbeuten.

Zoltán Örösi-Pál: „Afterskorpione (Chelonethi) in der Wohnung der Honigbiene“, Journal of applied entomology, Volume 25 S. 142-150, 1939

1939 gibt Zoltán Örösi-Pál einen umfassenden Überblick über den damaligen Wissensstand zum Thema Pseudoskorpione in Bienenwohnungen weltweit. Er schreibt, dass Pseudoskorpione meist auf den Deckbrettchen, dem Wachstuch, den Rähmchenleisten, den Wänden oder auf dem Kastenboden zu finden sind. Auf den Waben habe er sie noch nie gesehen. Diese Beobachtung kann ich bestätigen, auch ich habe noch nie Bücherskorpione über Waben laufen sehen. Ich finde sie in der Regel an den Oberträgern und auf dem Beutenboden.

Nestbau Chelifer Cancroides
Abb. 4 Nestbau des Bücherskorpions in einer Bienenbeute mit integrierten Strohkammern

Weiter schreibt er, dass noch kein Brutnest in Bienenstöcken gefunden wurde. In diesem Punkt sind wir heute weiter (Abb. 4). Mir ist es inzwischen gelungen die scheuen Tiere dauerhaft in Bienenbeuten anzusiedeln. Durch geeignete Konstruktionen mit Außenwänden aus Stroh, zusätzlicher Dämmung aus Stroh oder beispielsweise einem D-Deckel mit Strohfüllung ist das möglich.

Abb. 5: Bücherskorpion mit Wachsmottenraupe, aus „Afterskorpione in der Wohnung der Honigbiene“ von Örösi-Pal, 1939

Örösi-Pál beschreibt 1939 die damalige allgemeine Auffassung dahingehend, dass der Bücherskorpion sogar auf den Bienen befindliche Milben und andere Kleinwesen frisst. Er stellte in eigenen Versuchen fest, dass der Bücherskorpion die Raupen der großen Wachsmotte aussaugt, sofern sie nicht größer als 1cm sind (Abb. 5). Auch diese Aussage kann ich durch eigene Beobachtungen in Bienenbeuten und durch Versuche unter Laborbedingungen bestätigen. Ich konnte den Bücherskorpion auch beobachten, wie er deutlich größere Raupen angreift. Offensichtlich reicht die Wirkung seines Giftes aber nicht aus, um größere Beutetiere zu lähmen. Er lässt seine Opfer nach einer Weile wieder frei, wenn die erwünschte Lähmung nicht einsetzt, bzw. die Gegenwehr aufgrund der ausbleibenden Lähmung zu heftig ist (Abb 6).

Abb. 6 Die Wachsmottenlarve wehrt sich heftig und wirbelt den Bücherskorpion herum

Örösi-Pál schliesst seinen Bericht mit der Erkenntnis, dass noch nie eine schädliche Wirkung der Pseudoskorpione gegen die Honigbiene gesehen wurde. Ob Pseudoskorpione Milben und Bienenläusen unter natürlichen Verhältnissen von den Bienenkörpern ablesen, sei nicht bekannt. Wegen des Verzehrs von Milben, Wachsmottenlarven, abgefallenen Bienenläusen und anderen Kleinwesen des Bienenstockes seien Pseudoskorpione von Nutzen. Durch die beschränkte Anzahl von Pseudoskorpionen in Bienenwohnungen habe ihr Nutzen aber keine praktische Bedeutung.

Dr. Max Beier: „Der Bücherskorpion, ein willkommener Gast der Bienenvölker„, Österreichischer Imker, Jhg. 1, 1951, S. 209-211

Große Beachtung findet bis heute der Artikel von Dr. Max Beier aus dem Jahr 1951 „Der Bücherskorpion, ein willkommener Gast der Bienenvölker“. Er beschreibt ebenfalls seinen Nutzen durch das Vertilgen diverser Parasiten im Bienenstock. Ohne neue Quellen oder Belege zu nennen äußert er die Vermutung, dass der Bücherskorpion Parasiten von den Bienen direkt abliest. Vermutlich bezieht er sich hier auf die Versuche von Fahringer.

Aufschlussreich ist seine Beschreibung wie die Tiere sehen: „Er orientiert sich nämlich nicht mit seinen schwachen, zum Bildsehen kaum geeigneten Augen, sondern mit Hilfe langer, gerader Tasthaare, die beim erwachsenen Tiere in 12facher Zahl auf den Scherenfingern sitzen und infolge ihrer beweglichen Einlenkung in großen Bechern sogar auf die geringste Luftbewegung ansprechen, so dass sie mit gewissem Recht auch als Hörhaare bezeichnet werden.“ Ich kann mit meinen Videoaufnahmen bestätigen, dass sie ihre Fangarme zum „sehen“ nutzen. Besonders deutlich wird es, wenn sie sich mit ihrem Körper in einem Spalt befinden und ihre Fangarme ähnlich wie Sehrohre bei U-Booten nutzen (Abb. 7). Bevor sie einen Spalt verlassen strecken sie einen Fangarm in den Raum und „sehen sich um“.

Abb. 7 Bücherskorpion nutzt „Hörhaare“ an Fangarmen zur Orientierung, Screenshots aus Infrarotaufnahmen aus Bienenbeuten

Weiter beschreibt er wie der Bücherskorpion seine Opfer betäubt, sie mit seinen Kieferscheren am Mund ansticht und Magensaft in die Wunde fließen lässt. Die durch den Magensaft verflüssigten Fleischteile schlürft er dann auf und verzehrt sie. In Abbildung 8 habe ich diese von Max Beier bereits 1951 beschriebene Beobachtung unter dem Mikroskop festgehalten.

Abb. 8 Bücherskorpion fängt Varroa Milbe und saugt sie aus

Die in dem Artikel beschriebene Phoresie konnte ich leider bislang nicht beobachten. Beier schreibt, dass sich besonders zur Schwarmzeit Bücherskorpione finden lassen, die sich mit ihren Palpenscheren an einem Bein oder einem anderen Körperteil der Biene angeklammert festhalten und sich so im Flug mittragen lassen. Ausgelöst wird dieses Verhalten – eine Art Wandertrieb – durch die entstehende Unruhe im Bienenvolk kurz vor dem Schwärmen. Laut Beier sind es immer trächtige Weibchen, die solcherart als Flugpassagiere angetroffen werden und auf diese Weise für die Ausbreitung der Art sorgen.

Beier beschreibt in seinem Artikel noch die Eiablage der trächtigen Weibchen von bis zu 20 Eiern, den Bau der Brut- und Häutungsnester, das Ausschlüpfen und die Entwicklung der Jungtiere. Zum Schluss widmet er sich den auf der Südhalbkugel in Bienenstöcken vorkommenden Ellingsenius Arten, denen er eine bedeutendere Rolle als Ungeziefervertilger und Gesundheitspolizei im Bienenstock beimisst als den bei uns heimischen Bücherskorpionen.

Dr. Peter Weygold: „Moos- und Bücherskorpione“, Neue Brehm Bücherei Wittenberg, 1966

1966 erscheint das Buch „Moos- und Bücherskorpione“ von Dr. Peter Weygold. Es ist bis heute die umfangreichste Beschreibung dieser kleinen Scherenträger in deutscher Sprache. Leider betrachtet er nicht weiter das Leben der Bücherskorpione in Bienenbeuten und erwähnt diesen Zusammenhang nur am Rande.

Barry Donovan & Flora Paul: „Pseudoscorpions: the forgotten beneficials inside beehives and their potential for management for control of varroa and other arthropod pests“, Bee World, Ausgabe 86, 2005

2005 erscheint in einer Bee World Ausgabe der Artikel: „Pseudoscorpions: the forgotten beneficials inside beehives and their potential for management for control of varroa and other arthropod pests“. Thematisiert wird die Frage ob der in Europa in Vergessenheit geratene Chelifer Cancroides (der Bücherskorpion) und andere ihm verwandte Pseudoskorpione weltweit zur Bekämpfung von Varroamilben und anderen Parasiten taugen. Laut den Autoren ist der Bücherskorpion in Europa in Vergessenheit geraten, weil er in den modernen Beutensystemen kaum noch angetroffen wurde. Die Ursache hierfür vermuten sie in der Verdrängung der Klotzbeuten und Strohkörbe durch Magazinbeuten mit ihren beweglichen Rähmchen, hergestellt aus glatt gesägtem Holz. Nach dem Aufkommen der Varroamilbe in Europa dürfte die chemische Behandlung in den Bienenbeuten die Bücherskorpione endgültig aus den Bienenstöcken vertrieben haben. Die Autoren vermuten, dass sich zumindest einige Arten von Pseudoskorpionen als wirksame Kontrolleure von Varroa und anderer Schädlinge von Honigbienen erweisen könnten, wenn sie in ausreichender Anzahl in Bienenstöcken vorhanden sind.

Torben Schiffer: „Biologische Untersuchungen an mit Honigbienen assoziierten Pseudoskorpionen (Chelifer cancroides)“, Staatsexamensarbeit im Fach Biologie, 2008, Universität Hamburg

2008 greift der Grundschullehrer Torben Schiffer das Thema in seiner Staatsexamensarbeit auf. In der Arbeit gibt er weitestgehend die Erkenntnisse/Ansichten von Donovan & Paul wieder. Durch sein Engagement und seine Medienpräsenz verhilft er den Scherenträgern zu einer großen Bekanntheit, auch über die Imkerschaft hinaus.

Ron van Toor et al.: „Ingestion of Varroa destructor by pseudoscorpions in honey bee hives confirmed by PCR analysis“, Journal of Apicultural Research 54(5):1-8, 2016

Ron van Toor belegt 2016 mittels DNA Analysen den Verzehr von Varroamilben in herkömmlichen Magazinbeuten durch Bücherskorpione. Die verzehrten Milben könnten allerdings auf natürliche Weise gefallen sein und bereits dem Vermehrungszyklus entzogen worden sein. Es ist somit kein Beleg für eine Wirksamkeit der Bücherskorpione in Sachen Varroabekämpfung.

Hans-Jürgen Ratsch et al.: „Bücherskorpione als Varroabekämpfer“, Endbericht zum Forschungsprojekt der Integrierten Gesamtschule List und der Schülerfirma Imkerei e.G., 2018

Hoffnung auf eine Wirksamkeit der Bücherskorpione macht die Versuchsreihe „Bücherskorpione als Varroabekämpfer“ von 2018. Hier wird ein geringerer natürlicher Milbenfall in Holzbeuten mit Bücherskorpionen gegenüber Holzbeuten ohne Bücherskorpione festgestellt. Die Autoren sehen darin den Nachweis einer Wirksamkeit der Bücherskorpione. Das sehe ich nicht so. Der Milbenfall wurde nur wöchentlich ausgezählt, dies birgt folgende mögliche Verfälschung: Da die Bücherskorpione sich mit Vorliebe am Boden der Beuten aufhalten, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie noch lebende Milben vom Brett entnommen haben, die ohne ihr Eingreifen später als toter natürlicher Milbenfall gezählt worden wären. Es werden also weniger Milben gezählt als tatsächlich gefallen sind. Solche lebend (teilweise verletzt) auf das Brett fallende Milben sind bereits dem Vermehrungszyklus der Varroa im Bienenvolk entzogen, ihre Beseitigung durch den Bücherskorpion bringt keinen Nutzen bezüglich der Varroabekämpfung. Um diese Verfälschung auszuschließen müsste man die Kontrollbretter wesentlich häufiger kontrollieren, vielleicht sogar mehrfach täglich. Ein deutlicheres Indiz für die Wirksamkeit der Bücherskorpione ist die festgestellte geringere Sterblichkeit der Völker mit Bücherskorpionen. Die untersuchte Anzahl an Völkern ist allerdings zu gering, um eine Wirksamkeit der Bücherskorpione zu belegen.

Bienenbeuten für die Integration von Bücherskorpionen selber bauen

Bücherskorpione lassen sich leicht im Deckel oder am Boden der Beute ansiedeln. Sie halten sich am liebsten oberhalb oder unterhalb des Bienenstockes auf. Oberhalb des Bienenstockes bietet sich ein D-Deckel mit einer Strohfüllung an. Der Zusatz von kleineren Stücken Totholz ist hilfreich. Der Boden einer Beute mit Bücherskorpionen sollte geschlossen sein. Hier kann man beispielsweise eine Honigzarge mit Stroh und Totholz füllen.

Fundorte und Zucht von Bücherskorpionen

Der beste Ort für eine Zucht von Bücherskorpionen ist sicher das Umfeld von natürlich gehaltenen Tieren, die von kleinen Parasiten geplagt werden. Bienenstöcke sind mit entsprechenden Umbauten/Zusätzen der Beute der perfekte Ort (sofern die Bienen unbehandelt gehalten werden). Hühnerställe, Heuböden und Kornlager in der Nähe zu Tierställen weisen ebenfalls ausgezeichnete Bedingungen auf. Wer sie fern dieser Orte in separaten Boxen züchten möchte, muss darin ebensolche Bedingungen nachbilden.

Finden lassen sich Bücherskorpione an den oben genannten Orten. Hier lassen sie sich unter auf dem Boden liegenden Gegenständen und Hölzern finden. Die Aufnahme der sensiblen Tiere sollte mit einem feinen Pinsel erfolgen. Transportieren lassen sie sich gut in Einmachgläsern mit Gummidichtung.

Vertilgen Bücherskorpione den kleinen Beutenkäfer?

Der kleine Beutenkäfer wird früher oder später wohl auch bei uns heimisch. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Bücherskorpion sich auch von seinen Larven ernährt. Diese sind für ihn auch deutlich leichter zu erreichen als die auf den Bienen sitzenden Varroa Milben.

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